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ZU BESUCH BEI STEINROHNER: DAS BERLINER DESIGN-DUO ZEIGT IHRE AW16 KOLLEKTION // PHOTOGRAPHY BY SINA LESNIK

Photography Sina Lesnik

Inna Stein und Caroline Rohner sind die Geschichtenerzähler der deutschen Modeszene. Sie übersetzen Einflüsse aus Film, Natur, Kunst und ihrer persönlichen Historie in Textilien, die durch einnehmende Prints und liebevoll gewählte Materialien zum Leben erweckt werden. Seit ihrem gemeinsamen Studium an der Kunsthochschule Weißensee war ihnen klar, dass sie gemeinsam kreieren möchten. Arbeitsweise, Ästhetik und Einstellung passen zu gut zusammen, um sie auseinander zu reißen. Ein Konsenspunkt: Der bewusste Schritt gegen die Schnelllebigkeit der Industrie, in dem ihre Kollektionen zu Editionen getauft wurden.

2013 gründeten die ambitionierten Ladies ihr Label – mit ziemlichen Erfolg, der, um nur ein Beispiel zu nennen, im vergangenen Jahr mit dem “Premium Young Designers Award” deutlich gemacht wurde. Wir haben das Doppel bei bester Laune in ihrem Studio in Kreuzberg besucht und uns von ihnen die endlosen Weiten des Winters erklären lassen.

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Couture de la Rue – was genau meint ihr damit?

Inna: Was wir damit meinen ist, dass wir immer diese Geschichte erzählen wollen. Das Gesamtbild ist uns total wichtig. Wir haben immer drei/vier Showpieces, die wirklich nur diese Idee transportieren sollen und davon gradieren wir dann die ganze Kollektion runter. Jeder, der auch vielleicht nur eine Basic-Bluse kauft, kauft sich einen Teil von der Story. So wird es dann

Und was ist die große Gesamtstory, die euer Label Frauen vermitteln möchte?

Caroline: Es ist eigentlich immer natur-inspiriert, nicht trend-orientiert. Natur ist etwas, das nicht vergänglich ist und so wollen wir unsere Kollektion auch aufbauen: nichts, was nur für eine Saison bleibt. Man soll nicht sagen können aus welcher Kollektion es kommt, es soll ein fließender Übergang sein.

Inna: Durch die natürliche Inspiration wollen wir zeitlos bleiben. Die Sachen soll immer eine Geschichte tragen und nicht einem Trend nacheifern.

Caroline: Und somit sind wir auch nicht so altersorientiert. Es gibt auch viele ältere Frauen, die unsere Sachen sehr toll finden.

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“Eternal Ice” heißt eure AW16 Kollektion – welche Geschichte möchtet ihr mit dieser Linie erzählen?

Caroline: Die Inspiration kommt aus der Eislandschaft. Normalerweise sind unsere Kollektionen von den Reisen beeinflusst, die wir zwischen den Kollektionen machen. Dieses Mal haben wir jedoch eine Reise in die Vergangenheit gemacht – in unserer beider Vergangenheit.

Inna: In die Ländern, aus denen wir kommen. Bei Caro ist es die Schweiz und bei mir ist es Russland. Wir sind beide mit viel Kälte aufgewachsen.Wir haben uns beide an Bäume erinnert, die komplett eingefroren waren und sich dadurch Eiskristalllandschaften gebildet haben. Oder diese unendlichen Weiten, die man in der Stadt manchmal sehr vermisst – ein bisschen weitergucken können und sich verlieren, in den blauen und weißen Farben, in den Tönen der Berge.

Caroline: Berge – das heimatliche Gefühl verbinden wir beide damit.

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Oftmals findet ihr Ideen für Prints in der Kunst – wo habt ihr euch dieses Mal umgeschaut?

Inna: Genau, für diese Kollektion haben wir mit Markus Rohner zusammengearbeitet. Er hat die Bilder für unsere Prints gemacht, auf denen die Schweizer Berge zu sehen sind. Sie sind ganz oft auf einem plauschigen Pastell-Papier gemalt! Daraus haben wir dann die Prints entwickelt.

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In welchem Film würdet ihr eure AW16 Kollektion sehen?

Inna: Bei unserer letzten Kollektion war es der Siebziger Film “The Colours of the Pomegranate”, dieses Mal ist es der Film über Nanouk, den kleinen Eskimo.

Caro: Der Film hat Schwarz-Weiß-Bilder, die total schön aufgenommen sind. Man kann diese eisige Kälte spüren!

Inna: Es flimmern bei uns immer diese Bilder von alten Filmen im Kopf. Die Stoffe haben für die AW16 Kollektion sogar thematische Namen bekommen – es gibt “Snow”, oder “Ice” oder “Crystal”. Eine runde Geschichte.

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Die Idee für den Print steht also, aber wie geht es weiter mit dem Material? Und: habt ihr zuerst eine Vision für den Schnitt, beziehungsweise die Silhouette des Stücks oder kreiert ihr erst den Stoff?

Caroline: Wir machen erstmal ganz viele kleine Stoffproben bis wir uns für eine Variante entscheiden, die dann vielleicht sogar ein bisschen größer wird. Die Struktur bestimmt dann schlussendlich die Silhouette. Sehr oft kaufen wir Stoffe ein, die unsere “Base” sind und dann manipulieren wir sie. Wir haben diese Mal sehr viel mit Pailletten gearbeitet – das kommt dem Kristallinen total nahe, wie wir finden.

Inna: Genau, wir haben einen Basis-Stoff genommen, der uns von der Haptik gefallen hat, und haben ganz viel rumexperimentiert. Dann haben wir die Folien mit denen wir gearbeitet haben, gelasert und anschließend mit Heat-Press appliziert.

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Mit welcher Technik würdet ihr in Zukunft gern mal arbeiten?

Inna: 3D-Druck steht auf jeden Fall auf unserer To-Do-Liste für die nächste Kollektion.

Caroline: Was uns schon total lange fasziniert – aber wir hatten bisher leider nie die Möglichkeit es auszuprobieren – ist wie „Teppich-Schießen“. Es wird wie mit einer Pistole geschossen und man kann ganz freie Muster entwickeln. Das finde ich total abgefahren.

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War euch schon immer klar, dass ihr euch nach dem Studium selbstständig machen wollt?

Inna: Es war uns nie richtig bewusst, aber irgendwie was es immer klar.

Caroline: Wir hatten auch eine tolle Anfrage von einem Modehaus, zu dem wir auch zu zweit hätten gehen können. Aber irgendwie dachten wir: “Nach 20 Jahren in der Mode bist du dann eigentlich auch schon fertig mit den Nerven.” Es ist ja doch ein sehr toughes Business… Und wer weiß, ob man danach nochmal die Energie und den Effort findet, um das zusammen zu machen, worauf man selbst wirklich Bock hat. Erstmal probieren. Es ist nichts unmöglich, man kann immer noch was anderes machen.

Inna: Die Wege sind immer offen.

Und was für Erfahrungen habt ihr bisher gemacht, als junge, selbstständige Kreative in Berlin?

Caroline: Sehr viel Erfahrungen! Gute Erfahrungen. Unser Motto ist: solange wir zusammen Spaß haben, machen wir es weiter und wenn nicht, dann haben wir was Tolles zusammen gemacht und ganz viele Geschichten erzählt.

Inna: Es gibt ganz viele Ups and Downs – in einem Moment denkt man: “Oh Gott, das ist der Weltuntergang”, im nächsten dann “Wie toll!”

Caroline: Das sind diese Momente in denen man denkt, dass man einfach nur auf sich vertrauen muss und man sich dann auch wieder festigt.

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Wisst ihr schon welche Geschichte ihr in eurer nächsten Edition erzählen wollt?

Caroline: Es wird auf jeden Fall tropisch.

Inna: Und sehr kontrastreich, viel heißer. Von eiskalt zu ganz heiß.

Carlonie: Wir haben noch kein bestimmtes Thema, aber was uns momentan total gefällt sind Kakteen.

I: Wir haben letztes Jahr schon Bilder von Kakteen gemacht und irgendwie haben die uns nicht losgelassen. Und jetzt überlegen wir weiter daran herum.

C: Meistens hat man im Winter total Lust auf Sommer, weil man diese Wollstoffe und alles satt hat: leicht, leicht, leicht. Und im Sommer dann alles wieder umgekehrt.

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Von Marieke Fischer