BACK HOME CATEGORY: FASHION

STAY UGLY: KÜNSTLERIN ALINA ZAMANOVA HINTERFRAGT MIT IHRER ART COLLECTION SCHÖNHEITSIDEALE

“Fuck This” stand über den Augen eines Models bei Alina Zamanovas Präsentation. “This”, das ist nicht etwa das eigene Schaffen der Künstlerin oder die Ukrainian Fashion Week, auf der sie im Zuge der A/W 16 Shows die erste Kollektion ihres Labels zeigte, sondern das Schönheitsideal des Kosmos, in dem sich die frischgebackene Designerin bewegt. Denn auch wenn die Modebranche gerne in Worte wie “schnelllebig” oder “revolutionär” gehüllt wird, scheint das präsentierte Schönheitsbild größtenteils festgefahren und in Einheitsgröße kategorisiert. Und wer sich diesem Vorbild widersetzt, gilt als unglaublich mutig oder als unglaublich provokant.

Genau auf diese Überspitzung hat Alina Zamanova keine Lust mehr: Sie möchte mit dem weit verbreiteten Konsens brechen, Andersartigkeit als Instrument zum Schock zu verwenden und inszeniert sie lieber als normales Mittel zum Stil. Ihre Stücke leben dabei vor allem durch die darauf gemalten Figuren, die Zamanovas Idee von Schönheit auf Kleidung projizieren. Es sind ihre idealen Menschen, weil sie nicht ideal sind.

Die Ausstrahlung eben dieser kann nicht in Zahlencodes wie 90-60-90 und 0-8-15 gemessen werden. Inspiriert von Alexander McQueens Totenköpfen oder den Werken Egon Schieles bestechen sie eher durch verzogene Glieder, düstere Auren und aufgeblasene Gesichtszüge. Attribute, die Zamanovas Bilder seit ihrem Abschluss in Fashion Illustration am London College of Fashion 2015 begleiten und ihr schnell die Aufmerksamkeit einiger Industriegrößen einbrachten: Nick Knight ließ sie für SHOWstudio die London Fashion Week S/S 16 in Kunst übersetzen, während eines Praktikums bei Alexander McQueen durfte sie ihre Zeichnungen auf T-Shirts übertragen.

Für ihre erste eigene Kollektion, die sie selbst Art Collection nennt, hat die Künstlerin sich mit der Londoner Designerin Bianca Thoyer-Rozat zusammengetan und noch einmal Kleidung zur Leinwand auserkoren. Als Grundlage dienen helle Mäntel, Jacken oder Hemden, Zamanovas handgemalte Bilder und Slogans verfeinern diese dann mit einer Schicht Farbe, Struktur und Gesellschaftskritik. Sie sind ein verbaler Schlag ins gängige Einheitsgesicht und stellen unweigerlich die Fragen: Was ist denn eigentlich schön? Und was ist dann hässlich? Und: Kann man das überhaupt so klar trennen? Für die gebürtige Ukrainerin lautet die Antwort: Nein. Statt auf Selektion setzte sie auf Symbiose. Denn dass Perfektion nicht ohne Bruch, Mode nicht ohne Kunst und Normen nicht ohne Hinterfragung können, ist für sie selbstverständlich. Was bleibt da noch zu sagen, außer Alina Zamanovas Motto: Stay Ugly!

Von Trisha Balster