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Recharging the Urban Mind

Nicht „ich sollte“ oder „ich wollte“, sondern „ich HABE etwas verändert“: bettery magazine gibt Projekten und Machern eine Plattform, die genau das von sich behaupten können.

Als Städter weiß man, was es heißt, auf engstem Raum, im ständigen Wandel und mit dem permanenten Dilemma der schwer umsetzbaren Work-Life-Balance zu leben. In täglich erscheinenden Artikeln widmet sich bettery magazine Menschen, die den Status quo des Stadtlebens hinterfragen und zum Besseren verändern. Ihre Lösungen und Visionen definieren den urbanen Raum neu und setzen innovative, soziale oder gestalterische Kontrapunkte. Von smart initiiert und publiziert, nimmt sich das internationale Online-Magazin allem an, was moderne Metropolenbewohner bewegt: Design, Soziales, Kultur, Umwelt, Mobilität. Nicht
zuletzt stellt es die Frage: Was bringt die Zukunft? So sind die meisten von uns mittlerweile sensibilisiert, den
eigenen Müll zu trennen. Was aber geschieht mit den Überresten von Gebäuden, die abgerissen wurden? Wie geht eine Megacity wie Bangkok mit ihrer enormen Smogbelastung um? Und welche Trends in der griechischen Gastronomie tragen zu mehr Nachhaltigkeit bei? Die Autoren von bettery magazine haben die Antworten auf diese und viele weitere Fragen – drei Artikel präsentieren wir hier in Auszügen.

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 Was kommt nach der Abrissbirne?

museumTEXT Anna Yudina / archooblog.wordpress.com
FOTO Eva García Pascual

Die Natur kennt keinen Abfall. Wie steht’s um die Architektur?

Die Bau- und Abrissindustrie produziert ein Drittel aller Abfälle in Europa. Bei dieser Menge stellt sich die Frage: Wann ist Abfall wirklich Abfall und gehört auf die Mülldeponie? Wiederverwertungs-Konzepte bieten schlaue Alternativen und sind oftmals effektiver als klassisches Recycling. Laut der britischen Organisation BioRegional bedeutet die Wiederverwertung eines Stahlträgers etwa 15-mal weniger Belastung für die Umwelt als der Recycling-Prozess. Steckt darin die Lösung? Millionen von Ziegeln erhielten kürzlich ein zweites Leben im Ningbo-Museum in China. Pritzker-Preisträger Wang Shu bediente sich der lokalen Tradition des Wiederverwertens von Baumaterialien. Da diese Praxis nicht in der chinesischen Bauordnung verankert ist, musste sein Team zahlreiche Tests durchführen, die schlussendlich bewiesen, dass diese alte Methode auch für die Gestaltung der 24 Meter langen Wände des Museums anwendbar ist. Fast 95% der lokalen indigenen Wohnbauten sollten dem Neubau weichen – Wang Shu führte die steinernen Zeitzeugen ihrer neuen Bestimmung als Elemente des Museums zu. Mit den Fragen, was als Abfall betrachtet wird und wie sich diese Einstellung verändern ließe, beschäftigt sich Rotor, ein belgisches Kollektiv, das Architektur und Soziologie verbindet. Bei ihrem ersten Auftragsprojekt mussten die Macher jedoch feststellen, dass sich nicht alles, was im kleineren Rahmen funktioniert auch auf größerer Ebene anwenden lässt. „Beim Abriss eines Hauses verkauft man einfach alle Dachziegel für 1000 Euro weiter. Aber was, wenn man 5000m² Dachziegel von einer alten Fabrik abzugeben hat?“ Architekten, die Materialien wiederverwenden, müssen sicher sein können, dass sie diese zur passenden Zeit und in der richtigen Quantität bekommen. Der damit verbundene, organisatorische Aufwand ist nicht selten enorm. Rotors Lösung heißt opalis.be, ein professionelles Online Portal, das wiederverwertbare Materialien aus Gebäuden im Raum Brüssel listet und die Verbindung zwischen Käufern und Verkäufern herstellt. An einer ähnlichen Plattform arbeiten die holländischen SuperuseStudios bereits seit 15 Jahren. Ihre Harvest Map, ein Marktplatz für professionelle Upcycler, bietet eine verlässliche Alternative zur konventionellen Ressourcen-Nutzung. Die Wirtschaftskrise und immer offensichtlicher werdende Energie-Engpässe haben viele Menschen gezwungen, Werte und Produktionsweisen zu überdenken. Das Bewusstsein der Gesellschaft ist im Umbruch. The time is now.

http://betterymagazine.com/stories/is-there-life-after-demolition/

 

 Fast-foward to Slow Food

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TEXT Cristina Ampatzidou / cristina-ampatzidou.com

FOTO Ergon

Muss traditionell gleich altbacken heißen? Nicht, wenn es nach den Machern dieser griechischen Lebensmittelläden geht.

Die mediterrane Küche steht für gesunde, qualitativ hochwertige Nahrungsmittel. Gleichzeitig sind die Gaumen auch in diesen Ländern in den letzten Jahrzehnten immer mehr mit importierten und industriell verarbeiteten Lebensmitteln in Kontakt gekommen. In Thessaloniki, der zweitgrößten Metropole und gleichzeitigen Gourmet-Hauptstadt Griechenlands, entwickelt sich aktuell eine Gegenkultur, die die Reinheit und hohe Qualität kleiner Lebensmittelproduzenten erhalten und verloren geglaubte gastronomische Schätze entstauben möchte. Kleine Geschäfte, die es sich zum Ziel gemacht haben, das traditionelle Konzept des Lebensmittelladens zu modernisieren, schießen plötzlich überall aus dem Boden. Häufig kombinieren sie qualitativ hochwertige Produkte mit eindrucksvollem Design. Vielleicht war es die Krise, die diese Suche nach neuen Ideen und Geschäftsmodellen vorangetrieben hat, oder die Tatsache, dass gutes Essen für die lokale Bevölkerung immer noch Leidenschaft und Ablenkung gleichzeitig ist – Krise hin oder her. Zwei Brüder aus Thessaloniki waren unter den Ersten, die 2008 ein gastronomisches Slow-Food-Konzept umsetzten. Die beiden traten damals an verschiedene lokale Produzenten heran, um eine neue Marke zu schaffen, die einheitlich gute Qualität garantiert. Seit dem Launch haben unter dem Namen „Ergon“ eine Reihe funktionaler Lebensmittelläden mit angeschlossenen Restaurants eröffnet. Mittlerweile ist das Konzept in viele griechische Städte expandiert, kürzlich eröffnete sogar das erste Lokal in London. Thomas Douzis, einer der beiden Ergon-Gründer, erzählt: „Wir wollten nicht die Tavernen neu erfinden; wir mögen die traditionellen, so wie sie sind. Wir wollten einen Ort schaffen, der den Fokus auf griechische Produkte legt, einen gemütlichen Ort, der zum Entdecken einlädt, zum Kosten und Einkaufen, ohne den Druck irgendeines Hypes. Ein positiver Nebeneffekt: Die traditionellen Produkte kommen gut an, was sie wiederum erschwinglicher macht, da größere Mengen verkauft werden.“ Läden wie Ergon bedienen ein Publikum, das aktiv versucht, sich in Sachen Ernährung zurückzuerobern, was in Vergessenheit geraten ist – Geselligkeit und Traditionspflege inklusive.

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Bangkok: Nachhaltigkeit im Smog

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TEXT Tim Peyton / dancingabtarchitecture.blogspot.co.uk

FOTO Elisabeth Flik

Wie sich die thailändische Hauptstadt auf eine grünere Zukunft vorbereitet

Die Millionenmetropole Bangkok ist für vieles bekannt: Sie ist Wirtschaftsknotenpunkt und beliebtes Urlaubsziel; sie beherbergt einige der schönsten buddhistischen Tempel der Welt, aber auch ein berüchtigtes Rotlichtviertel. Traurige Berühmtheit hat die Stadt mittlerweile aufgrund ihrer extremen Verschmutzung erlangt. Jeden Tag leidet die Hauptwasserader der Stadt, der Chao Phraya, unter den Zufl üssen chemischer Abfälle aus den nahegelegenen Fabriken; das dürftige Straßennetz kollabiert ob der ständig anwachsenden Zahl von Fahrzeugen. Kurzfristig kann gegen diese großen Probleme wenig getan werden, doch kleine Veränderungen, vor allem im gesellschaftlichen Bereich, demonstrieren, dass das Bewusstsein der Bevölkerung für Umweltbelange und Nachhaltigkeit steigt. Neben der Eröffnung neuer Bio-Restaurants und Bauernmärkte werden immer mehr der imposanten Hochhaus-Dachgärten in wahre Oasen verwandelt. Ambitionierte Umwelt-Entrepreneure gestalten die bislang ungenutzten Flächen zu Plantagen für die essbaren Spirulina-Algen um. Besonderer Clou: Das mineral- und vitaminreiche Superfood braucht Kohlenstoffdioxid um zu wachsen – und Hitze. Beides gibt es in Bangkok mehr als genug. Das luxuriöse Bangkok Tree House Inn steht beispielhaft für dieses wachsende Sustainability-Bewusstsein: vom solarbeheizten Außenpool über den Einsatz von Solarkochern bis hin zu luftreinigenden Pfl anzen in jedem Zimmer. Oder Bang Krachao, eine riesige, von einem Mäander des Chao Phraya eingeschlossene, Grünfl äche, die Dank neu angelegter Radwege immer beliebter wird. Der sogenannte Climate Change Action Plan sieht fünf Maßnahmen vor, die Bangkok umwelteffizienter machen sollen. Darin beinhaltet sind zum Beispiel Pläne für ein verbessertes System des öffentlichen Nahverkehrs sowie die Eröffnung weiterer öffentlicher Parks. Seit der Verabschiedung des Plans im Jahr 2007 konnten schon einige Erfolge erzielt werden. Die Zukunft der thailändischen Metropole ist also grüner und sauberer.

http://betterymagazine.com/stories/bangkok-sustainability-in-the-smog/