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NYFW ROUND-UP: DIE EMPOWERMENT-EDITION

Neben zahlreichen textilen Trends, die uns Saison um Saison von den Laufstegen diktiert zu werden scheinen, behaupten sich bei den Modewochen auch immer wieder ein paar Auswirkungen von Politik und Gesellschaft als Entwicklungen. Sie mischen sich zwischen Shows und Partys, verleihen der oft so glatten Modewelt ein paar Ecken und Kanten und werden Aufhängepunkte für Progression und Debatten, die sich auch über die Kanten des modischen Tellerrandes erstrecken.

So geschehen bei der New York Fashion Week, die, eigentlich bekannt für ihre von Marketing und Mainstream dominierten Kollektionen, von zahlreichen Designern vor allem auf ein Thema gepolt wurde: Feminismus. Ob als Vortrag oder auf T-Shirts proklamiert, in den Kollektionen plakativ verpackt oder nur unterschwellig gezeigt, in den letzten acht Tagen schien das Wort “Empowerment” überall und die politische Situation der USA unumgänglich.

Eines der eindrucksvollsten Statements machte dabei wohl Designerin Mara Hoffman, indem sie die, die sonst auf die Straße gehen um für ihre Rechte zu kämpfen, auf den Laufsteg holte. Vor dem Beginn ihrer Autumn/Winter 2017-Show ließ sie Bob Bland, Tamika D. Mallory, Carmen Perez und Linda Sarsour, die Organisatorinnen des Women’s March, eine Rede halten und mit Zitaten von Schrifstellerinnen wie Maya Angelou oder Audre Lorde für Gleichberechtigung plädieren – ein eindrucksvollerer Soundtrack für die danach gezeigte Kleidung ist wohl schwer zu finden.

Statt in verbale Statements verpackten Labels wie Alice + Olivia, Creatures of Comfort oder Prabal Gurung ihre Message dagegen in gedruckte Slogans. So ließ Gurung seine Models während des finalen Walks T-Shirts zu John Lennons “Imagine” über den Laufsteg tragen, die von “I have a dream” über “Yes, we should all be feminists” bis zu “Our Minds, Our Bodies, our Power” bei seiner Meinung definitiv nichts der Vorstellungskraft überließen. Auch wenn er sich den Satz “The Future is Female” bei Fotografin Liza Cowan aus den 70er Jahren abgeguckt zu haben schien, eine der meist diskutierten Kollektionen war die des nepalesisch-amerikanischen Designers allemal.

Mehr allgemeinen Zuspruch als präzise formulierte Forderungen gab es bei The Row und der Nachwuchsdesignerin Anniesa Hasibuan zu sehen. Mary-Kate und Ashley Olsen paarten ihren Minimalismus mit einer klaren Message: Sie casteten Frauen, die im Gegensatz zu den von ihren Kollegen gebuchten Models deutlich älter waren, und stießen mit der 46-Jährigen Schauspielerin Kirsten Owen oder dem 39-Jährigen Model Alek Wek eine Überdenkung der so oft erwähnten “idealen Frau” an. Die gebürtige Indonesierin Anniesa Hasibuan dagegen ließ, genauso wie Kanye West in seiner Yeezy-Show, Models mit Hijab die Entwürfe für Autumn / Winter 2017 präsentieren. Wenn Mode also den Zeitgeist widerspiegeln soll, wurde diesem in New York ganz gehörig der Spiegel vor die Nase gehalten. Und gezeigt, dass sich jeder in diesem Spiegelbild wiedererkennen darf.

Header Image: Prabal Gurung A/W 17 via Instagram

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