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AUF DEN SPUREN DER IDEENWELT VON PRODUKTDESIGNERIN CHRISTINE STANDEISKY VON MADE.COM

Als der britische Modedesigner Hussein Chalayan im Februar 2000 während der London Fashion Week vier Stühle und einen Sofatisch zeigte, die im Laufe der Modenschau von den Models zu Kleidern und einem Rock umgewandelt wurden, hinterließ er damit einen Eindruck, der noch Jahre bleiben sollte. In der Modebranche und bei den Kreativen, die sie umschwirren. Denn seine Ideen für die kommende Herbst / Winter Saison bewiesen nicht nur, wie innovativ sich verschiedene handwerkliche und künstlerische Bereiche verbinden lassen, sondern auch, dass jeder diese neue Schnittfläche mit erschaffen darf.

“Das hat sich sofort in mein Gedächtnis eingebrannt”, erinnert sich Christine Standeisky, seit 2014 Senior Product Designer bei dem britischen Designmöbelshop Made.com in London, “Ich habe einen Mitschnitt dieser Modenschau mal bei einer Ausstellung gesehen. Noch heute versuche ich diesen unkonventionellen, übergreifenden Ansatz und dieses außerhalb der Box denken immer auch auf meine eigene Arbeit zu übertragen.” Die eigene Arbeit, das ist bei der gebürtige Hamburgerin das Designen von Möbeln aus den Bereichen Essen, Wohnen und Büro. Die dabei entstehenden Ergebnisse sind für sie allerdings nicht nur bloße Objekte, sondern komplexe Produkte geprägt von ihrer Umgebung. Der, die sie konkret in Räumen um sich finden, und der, die sie abstrakt wie eine Palette an Referenzen oder eine Mindmap umspinnt, neue Blickwinkel, Ebenen und Verknüpfungen schafft.

made com produktdesigner interview christine standeisky material girl

Esstisch Iona, Sitzbank Iona, Stühle Devlin

“Mir ist bei meiner Arbeit besonders wichtig auch außerhalb meiner eigenen Blase zu denken. Bei Made.com beginnen wir den Designprozess immer mit einem bestimmten Kundentypen, der schon vorab erstellt wurde und nach dem wir das Design dann richten. Wenn ich also ein Oberthema bekomme, versuche ich zunächst immer alles mit einem gewissen Abstand zu betrachten. Ich will mich in meiner Kreativität nicht festfahren, sondern möglichst viele meiner Interessen mit einbeziehen.” Die liegen für Christine besonders in Mode und Architektur, Kunst und Grafikdesign, Feldern, mit denen sie seit ihrem Produktdesign-Studium am Central Saint Martins College of Art and Design in London in Berührung steht. “Schon damals gab es den Anspruch viel mit anderen künstlerischen Bereichen zu kooperieren. Wenn ich heute für ein Produkt recherchiere gehe ich dabei deshalb nie stringent vor, sondern suche nach abstrakten Dingen.”

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Schubladenschrank Darby

So spannt sie Gedankenbrücken zwischen der Bauhaus Bewegung und den Möbeldesigns der 60er und 70er Jahre, den in der Haute Couture verwendeten Materialien und Funden aus Pinterest-Boards. “Mein Kopf ist ein Hybrid aus totalem Chaos und absoluter Ordnung. Wenn er ein Raum wäre, würde er wohl einer Wohnlandschaft des dänischen Architekten Verner Panton gleichen, wo Möbel auch schon mal ganz verrückt angeordnet sind. Chaotisch, aber doch geplant”, übertragen auf ihre Designs findet sich diese Aussage von Christine als eine intuitiv entwickelte Lebenswelt wieder, verpackt hinter klaren Linien und Formen. Geprägt von dem Anspruch, immer der eigenen Neugierde zu vertrauen. “Am interessantesten ist für mich bei Made.com immer das Kooperieren mit Kreativen, die nicht aus dem klassischen Produktdesignbereich kommen. Kürzlich haben wir mit einem Landschaftsarchitekten zusammengearbeitet, davor mit dem Modedesigner Philip Colbert. Es ist einfach sehr interessant, wie man auf diese Weise verschiedene Welten vereinen kann.”

Oder eben in der Lage ist, seine ganz eigene zu kreieren. Mit der Innovation als Ziel, ob sie nun in Form neuer Produkte oder visionärer Modenschauen kommen mag, vertritt Christine einen modernen, rundum blickenden Ansatz, wenn es um die Umsetzung ihrer Ideen geht. Keine Inspirationsquelle scheint ihr zu weit entfernt und keine Regel zu festgefahren. “Warum können Möbel nicht Gebrauchsgegenstände und Sammelstücke zugleich sein? Wer definiert schließlich, was Kunst ist und was nicht? Ich finde, gutes Design kann beides vereinen.”

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Geschirrset Kyoto

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Bilderrahmen Portland

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Esstisch Hill, Stühle Hill, Wanduhr Aurelia

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Geschirrset Kyoto

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Schreibtisch Compound

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Geschirrset Kyoto

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Schreibtisch Compound

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Kleiderständer Alana

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Sessel Seattle, Beistelltisch Aula, Stehlampe Miller, Kissen Jangala

Photography by Marlen Stahlhuth