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DESIGNERIN CAROLINE KUMMELSTEDT IM INTERVIEW – ÜBER GENDER, FARBEN UND FRAUEN

Kontrast, Gegensatz und Farbe. Die FW16 Kollektion des schwedischen Labels Caroline Kummelstedt ist Disco-Punk, gemischt mit ein bisschen Pretty Woman. Übergroße Lederjacken, glänzende Overknees mit pinker Spitze und Schlitz-Schlaghose. Während sie studiert, gründet Caroline 2011 ihr gleichnamiges Label und wird ein Jahr später für den “Swedish Design Rookie of the Year” nominiert, gleichzeitig wird sie Vierte von Schwedens “Top 100 Talents”. Mittlerweile ist ihr Designstudio von Mailand nach Paris gezogen, um von dort aus eine kreative Fusion à la Vetements und Acne Studios zu erschaffen. Lauter Minimalismus, der sich am Kleiderschrank des Freundes bedient.

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Kannst du zusammenfassen wofür das Label Caroline Kummelstedt steht?
Caroline Kummelstedt steht für androgyne und vielschichtige high-end Mode. Wir machen gender-spielerische Formen mit einem, aus Gegensätzen bestehenden, Style-Konzept, kontrastierender Materialnutzung und innovativem Fokus aufs Detail.

Was sollen deine Kollektionen vermitteln?
Die Kollektionen sind ein Ergebnis von gründlicher Detail-Entwicklung und eine back-to-basic Graduierung des weiblichen Stereotyps – eine selbstbewusste, eigensinnige und individuelle Frau, die die Herausforderung liebt, ihre Weiblichkeit zu definieren. Sie sucht nach Kleidung, die ihren Charakter akzentuiert. Für mich ist diese Frau die Basis von allem, was ich designe und kreiere. Alles kommt darauf zurück, dass diese Frau sich wohl und stark in meiner Kleidung fühlen soll.

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Gibt es ein Projekt an dem du arbeitest, oder eins, das du unbedingt mal realisieren willst?
Das einzige Projekt, was ich im Moment im Kopf habe, ist die Marke auf dem internationalen Markt zu etablieren. Wir arbeiten extrem hart um dies noch 2016 zu realisieren und wir freuen uns unglaublich ein Teil des Marcona3 pre-sales und der Hauptkollektionen in Mailand für unsere AW16 Kollektion zu sein.

Dein Label ist stark von deinem persönlichen Geschmack beeinflusst. Wenn sich dein Stil verändert, verändert sich dann auch das Label?
Genau, 100 Prozent. Ich verändere mich regelmäßig. Ich meine, das machen wir alle, aber ich habe entdeckt, dass es super sein kann in der Veränderung mehr über sich selbst zu lernen. Ich bin mir mittlerweile sehr sicher mit dem Stil und der Basis des Labels. Mit den letzten Kollektionen habe ich eine starke Grundlage für meine Marke geschaffen, die ganz meine eigene ist und von der aus ich gerne neu erschaffe.

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Was inspiriert dich? Wirst du stark von den Orten beeinflusst, in denen du schon gelebt und gearbeitet hast?
Alles beeinflusst mich und ich bin dankbar, dass ich mein eigenes Leben mit allem darin als Hauptinspiration für meine Kreativität nutzen kann. Ich, als Kreative, denke, dass der Schlüssel ist, sich allen Seiten seiner Selbst bewusst zu sein und immer nach einem Wandel zu suchen, weißt du? Nur wenn man die Möglichkeit hat dies zu nutzen, dann kann man Originalität kreieren. Man muss unglaublich stark in seiner Meinung von sich selbst sein, aber gleichzeitig auch immer offen dafür sich selbst neu zu erfinden. Natürlich haben mich die Städte beeinflusst, in denen ich gelebt habe –  vor allem wegen der Menschen zu denen sie mich gebracht haben und wegen der wechselnden Atmosphäre.

Wie wichtig ist Farbe für dich und deine Designs?
Super wichtig, aber nur in der Kombination mit gedeckten Farben. Ich liebe den Kontrast von klassischen Tönen, weil ich im Herzen sehr zeitlos in meinen Einflüssen und Stil bin. Ich liebe die alterslose Neuerfindung.

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Welche sind deine liebsten Materialien zum Arbeiten?
Eigentlich mag ich die meisten Materialien und genau, wie mit der Farbe, geht es darum sie richtig zu kombinieren. Ich liebe es mit Stoffen zu arbeiten, die in sich selbst Gewicht haben, nur diese Stoffe können so fallen, wie sie fallen. Aber immer in der Kombination mit, sagen wir, leichten Oberteilen. Für die FW16 Kollektion habe ich mit viel zertifiziertem Leder, leichter Wolle, Baumwoll-Seide und Jeans gearbeitet.

Welche Farbe könntest du jeden Tag tragen?
Meine persönliche Farbauswahl wäre schwarz, grau, Burgunder und blau – fast immer kombiniert mit einer Farbe als Kontrast.

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Von Nele Tüch