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DAS LEBEN EINER BEAUTY EXPERTIN: CATRICE MAKE-UP-SPEZIALISTIN LONI BAUR ÜBER IHREN JOB & DIE AW16 TRENDS

Dutzende Models, sechs Designer, der Berliner Mode Salon und Loni Baur. Die Make-up-Artistin ist in New York, Paris und Berlin auf den Schauen und kreiert die Beauty-Looks der Designer, mit Stoffproben, genauen Vorstellungen und viel Organisation. International und national. Für 2016 prophezeit sie farbige Akzente, weniger Nachdenken und mehr Mut.

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Look Isabell de Hillerin
Photography Moritz Thau

Wie hast du gelernt zu schminken? Wie fing deine Leidenschaft dafür an?
Ich habe nach dem Abitur immer sehr viel gemalt und gezeichnet und war immer recht talentiert in der Umsetzung von bildlichen Visionen wie zum Beispiel Masken. So habe ich eine Ausbildung zur Maskenbildnerin gemacht und mich mit den Jahren immer mehr in meiner Arbeit verfeinert. Anfangs war meine Arbeit viel handwerklicher. Das kommt mir heute oft zu Gute .

Du bist eine der besten Make up Artists der Welt – wie kann man sich deinen Alltag vorstellen?
Ich bin mit Leib und Seele Make-up-Artist. Der Beruf verlangt eine enorme zeitliche Flexibilität. Ich habe das große Glück eine sehr verständnisvolle Familie zu haben. Meine Arbeitstage gehen oft schon sehr früh los, ich reise wöchentlich nach Berlin, Paris oder London. In den Fotostudios werden die Looks der Modelle besprochen und dann fange ich an zu schminken. Die Shootings laufen oft den ganzen Tag und es ist ein großartiger kreativer Prozess.Wenn ich von meinen Jobs nach Hause komme, bin ich ganz für meine Kinder da. Ich bin sehr stolz beides zu haben: Eine tolle Karriere und meine Kinder .

Wie entsteht die Idee zu einem Look einer Kollektion oder Show?
Meistens bekomme ich im Vorfeld schon Ideen, Inspirationen, Farben und sogar Stoffproben der jeweiligen Kollektion geschickt. Die Designer haben oft ganz konkrete Vorstellungen vom Look ihrer Modelle. Zusammen mit Catrice als Make-up-Sponsor beraten wir dann die Designer, welcher Beautylook am besten zu ihrer Show passt. Ich probiere dann bei einem Make-up-Test ein paar Varianten am Modell aus, bis alle Beteiligten richtig zufrieden sind .

Hast du einen Favoriten bei den Looks, die du für die AW16 Schauen kreiert hast?
Das kann ich so nicht sagen. Jeder Designer ist so speziell und individuell. Bei dem einen mag ich die Zartheit, bei dem anderen die Kraft. Man kann die Looks nicht miteinander vergleichen. Dawid Tomaszewski ist diese Saison sehr mutig, das mag ich, aber Marina ist auch wunderschön und stilsicher. Es fällt mir schwer, mich für einen Lieblingslook zu entscheiden. Das Tolle ist doch gerade die Vielseitigkeit – jeder steht für sich.

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Look Marina Hoermanseder
Photography Toni Passig

Sind die Looks der jetzigen Fashion Week auch die Looks, die im nächsten Jahr auf der Straße und in unseren Badezimmern wichtig werden?
Die Trends der kommenden Saison sind geprägt von den internationalen Fashionshows. Da gehört Berlin sicher auch mit dazu. Die Looks, die ich für Berlin kreiere, sind inspiriert von meiner Arbeit auf den Catwalks in Paris und New York. Ich denke schon, dass die eine oder andere Idee auf den Straßen zu sehen sein wird. Momentan geht es bei den Trends sehr stark um Individualität und Echtheit. Make-up symbolisiert das Selbstbewusstsein und die Entschlossenheit der Frauen. Die Trends sind alle cool, nicht verkopft und ich freue mich darüber, dass es auch wieder etwas femininer wird. “Contouring” weicht dem Blush .

Was macht die Berliner Fashion Week anders als zum Beispiel New York oder Paris?
Die Shows in Berlin sind viel kleiner und persönlicher . Die Deutschen sind sozusagen ja fast unter sich. Ich finde trotzdem, dass es an der Zeit ist ein bisschen mehr Selbstbewusstsein für den deutschen Modemarkt zu bekommen. Es gibt bei uns fantastische Jungdesigner mit sehr innovativen Visionen.

Dein Liebling: Berlin, Paris, oder New York?
Für die Shows definitiv Paris, die Locations sind so einzigartig und umwerfend. Für den kurzweiligen Kick eher New York, die Energy reißt mich jedes Mal wieder mit. Zum Leben und Großziehen von Kindern- definitiv Hamburg! In Berlin bin ich nur zum Arbeiten.

Wie bereitest du dich auf eine große Show vor, woran musst du vorher denken?
Ich muss jeden einzelnen Designer genau im Kopf haben und dementsprechend Material besorgen. Außerdem muss ich wissen, wie viele Modelle für die jeweilige Show geplant sind, sodass ich mein Team dementsprechend aufstelle. Bevor es am Tag der Show losgeht, spreche ich lange mit meinem Team, sodass nichts schiefgehen kann. Eine gute Organisation ist alles.

Welches ist dein bevorzugtes Arbeitsfeld: Editorial oder Show?
Man kann die Arbeitsfelder nicht miteinander vergleichen. Show ist toll, es ist hektisch, live, mit viel Adrenalin und kurzweiligem Stress. Die Editorial-Arbeit ist ganz anders, ich möchte mit meinen Make-ups zwar genauso beeindrucken, aber es ist etwas ruhiger und es sind vor allem nicht so viele Menschen involviert.

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Look William Fan
Photography Toni Passig

Welchen Make-up Trend prophezeist du für 2016?
Es geht immer mehr hin zur Individualität und Echtheit. Die Haut muss spürbar sein und sollte möglichst „atmen“ können. Bei den Make-up-Looks geht es immer mehr und coole, selbstbewusste Akzente, die aber recht einfach in der Umsetzung sein müssen. Ich bin sicher, es wird nun etwas spielerischer mit Make-up umgegangen. Farbige Eyeliner in verschiedenen Formen, satin-matt lips in Pink. Auch in Berlin sind wir etwas mutiger mit Make-up umgegangen als in der Saison davor. Endlich!

Welche Make-up Nachwuchstalente sollten wir beobachten?
Ich mag die Art und Weise wie Isamaya Ffrench die Make-up Szene auf den Kopf gestellt hat. Ihr Einfluss ist wichtig und sehr zeitgemäß, auch wenn ich nicht immer nur Fan ihrer Technik bin. Die Technik ist, bei ihrer Art Make up zu interpretieren, aber auch gar nicht wichtig. Es geht vielmehr um Mut und Idee.

Featured image by Moritz Thau
Look Dawid Tomaszewski

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Von Nele Tüch