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A BIG STEP

Mal ehrlich: Es ist für einen selbst meistens schon nicht leicht, gänzlich umweltbewusst zu leben. Durch den Tag zu gehen ohne auch nur ein einziges Mal der Natur zu schaden ist fast ein Ding der Unmöglichkeit. Man dürfte in kein Auto mehr steigen und ein Flugticket wäre zugleich ein Ticket in die Kerosin-Hölle. Müll ganz streng zu trennen ist mühsam und Radfahren macht bei Minusgraden auch nicht wirklich Spaß. Großen Fashion-Labels geht es nicht anders. Deshalb beginnen auch sie – so wie wir, wenn wir es endlich mal wieder in den Bioladen schaffen – mit Babysteps. Wir stellen hier sieben Labels vor, die sich an das Thema Nachhaltigkeit rangetastet und mit kleinen Projekten bereits einen großen Schritt in die richtige Richtung gemacht haben. Wir sagen dazu: Ein kleiner Schritt für ein Label, ein großer Schritt für Mutter Erde.
Weiter so!

H&M IST SICH BEWUSSTklein1Der Zauber der Wüste ist das Thema der H&M CONSCIOUS COLLECTION: lockere Silhouetten, handgezeichnete Tiermuster und Sonnenfarben bereiten uns jetzt schon (nachhaltig!) auf die warme Zeit des Jahres vor. Die Kollektion sieht nicht nur nach Glamour und Bohéme aus, sondern besteht aus umweltfreundlichen Stoffen wie Bio-Baumwolle, Hanf, recycelten Kunststoffperlen, Bio-Maulbeerseide und recyceltem Polyester; die verwendete Menge von Letzterem entspricht ganzen 9,5 Millionen PET-Flaschen! Seit mittlerweile vier Jahren existiert H&M Conscious – und die Kollektionen haben etwas bewirkt, denn seit Januar 2014 belegt H&M im Global 100 Index, der die nachhaltigsten Unternehmen weltweit auflistet, Rang 64 und ist mit adidas das einzige Mode-Unternehmen in der Liste.

 

ADIDAS ♥ STELLA
klein2adidas und Stella McCartney stellen in ihrer gemein-samen Linie viele nachhaltige Produkte und eine kleine Rechenübung vor: 95% des verwendeten Stoffes machen das finale Produkt aus. Was bleibt? Richtig, 5%. Und die werden wiederverwertet oder aufgearbeitet. Das ergibt? Jawohl, 100% Nachhaltigkeit, denn: Die Kollektion ist Teil des adidas Better Place Programms. Um es in die Kollektion zu schaffen, müssen die Materialien aus nachhaltiger Herstellung stammen und ohne gefähr-liche Chemikalien unter besten Bedingungen produziert worden sein, das heißt mit Abfall- und Energiemanagementsystemen. Alle adidas by Stella McCartney-Produkte sind PVC-frei – stattdessen wird Biobaumwolle, wiederverwendetes Garn und Dry Dye verwendet. Eine Rechnung, die aufgeht.

 

CODELLO GIBT ACHTklein3Die für ihre Farbenfreude bekannte Accessoire-Marke bekennt sich im Rahmen der Summer Flash 2014 Kollektion zu Grün und launcht die exklusive Codello takes care Edition, in der neben Pandabären, Kirschen,Herzen und dem Claim Take care! sogenannte „Green Fabrics“ die Hauptrolle spielen. Organic Cotton beispielsweise, das ganz ohne Unkrautvernichtungsmittel oder chemische Dünger auskommt, auf dem Feld unter fairen Bedingungen handgepflückt wird und den Wasserverbrauch so gering wie möglich hält. Oder Recycled Polyester, ein Material das nie vollständig abgebaut, durch die Verarbeitung in Codello Produkten aber sinnvoll weiterverwertet werden kann. Und weil wir recyceln ohne Ende gut finden und der Frühling sowieso nie bunt genug sein kann, geht unser grüner Daumen nach oben.

 

MAX MARA STARTET EIN NEUES LEBEN
klein4Seit wir von dieser Kollektion wissen, trauern wir jeder Plastikflasche, die wir jemals weggeworfen haben, nach. Grund dafür ist das italienische Luxuslabel, das dem Recycling-Konzept mit seiner Kollektion Weekend Max Mara alle Ehre macht. Das Garn der Kleidungsstücke ist nämlich vollständig aus recycelten Plastikflaschen entstanden. Dazu macht Max Mara gemeinsame Sache mit dem Bekleidungskonzern Saluzzo Yarn, der das Recycling-Garn namens „Newlife“ entwickelt hat. Newlife™ verwandelt Plastikflaschen in hochtechnologisches Qualitäts-Polymer, und bringt gleichzeitig Wassereinsparungen von 94%, einen um 60% geringeren Energieverbrauch und eine CO2-Reduktion von 32%.

 

HERMÈS BASTELT KLEINE BUCHSTABENklein5„Kleines h“ heißt die Kreativwerkstatt von Hermès, hinter der sich große Ideen verbergen. Dem Upcycling-Gedanken (aus Alt mach Neu) folgend werden dort Reste von Seide, Porzellan oder Kristall in hochwertige und einzigartige Designobjekte verwandelt. Pascale Mussard, Nachfahrin der Hermès-Familie in sechster Generation, hat das Projekt im Jahr 2009 mit dem Gedanken „renew, remake, recycle“ ins Leben gerufen. Für „petit h“ wählt sie pro Saison 3-4 Künstler und Designer aus, die zusammen mit Hermès craftsmen einen neuen Bestimmungszweck für nicht genutzte Materialien finden. Gottseidank, sonst würden wir jetzt in einer Welt ohne einer zu Buchstützen umfunktionierten Saint-Louis-Vase oder Eseln aus Lederresten leben – und das wäre ganz schön langweilig.

 

TIMBERLAND BEHÜTET DIE ERDEklein6„Keeper“ im Sinne von „Hüter“ legt schon nahe, worum es hier geht: um Schuhe, mit denen man die Umwelt nicht tritt, sondern mit nachhaltigen Schritten liebkost. Bei den Earthkeepers-Produkten der Outdoor-Marke Timberland kommen grüne Technologien und Produktionsweisen zum Einsatz, wie etwa die Verwendung von ReNet™: dabei handelt es sich um „Performance Nylon“, das aus  sogenannten „ghost nets“ gewonnen wird; damit sind Fischernetze gemeint, die im Meer gelassen wurden oder verloren gingen und eine Gefahr für die marine Tierwelt darstellen. Ein neu entwickelter Prozess erlaubt es nun, Nylon-Produkte zu recyceln und wiederzuverwenden. Wir finden so viel Innovation gut und stellen fest: Mit Timberland geht es nicht nur in, sondern auch mit der Natur bergauf.

 

KAREN WALKER IST SICHTBAR
klein7Karen Walker ist nicht nur für ihre außergewöhnliche Brillenmodelle, sondern auch für ihre manchmal noch viel außergewöhnlicheren Kampagnen bekannt. Unter dem Motto not charity, just work arbeitet sie diesmal mit der Ethical Fashion Initiative zusammen, einem Projekt der UN, das Kunsthandwerkerinnen aus benachteiligteren Gebieten Kenias Bildung und Arbeit ermöglicht.  Was die Initiative zusätzlich brillant macht: Die Kunsthandwerkerinnen selbst sind die Gesichter der Kampagne. Sie zeigt die Mechanikerinnen, Schneiderinnen und Produktionsleiterinnen, die durch die Ethical Fashion Initiative Handwerks- und Management-Kompetenz erlernt haben. Eine wunderbare Idee, die sich sowohl Aufmerksamkeit als auch Sichtbarkeit stark verdient hat.

 

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